04/2017 Berchtesgadener Land

 

SHARE ON:

Ich möchte dir von meiner Kurzreise ins Berchtesgadener Land erzählen. Berchtesgaden klingt jetzt an sich wahrscheinlich für den einen oder anderen nicht so spektakulär, aber diese Gegend, in der ich einige Tage verbracht habe, ist tatsächlich die schönste Gegend, die ich bisher in Deutschland gesehen habe.

Ich buchte ein Hotel in unmittelbarer Nähe vom Königssee in Schönau. Ein paar Kilometer von Berchtesgaden entfernt und auch nur 40 Kilometer bis Salzburg.

Der Königssee stand neben dem Hintersee in Ramsau ganz oben auf meiner Liste. Die beiden Spots wollte ich unbedingt auf meiner Reise mitnehmen. Dank der Busanbindungen funktionierte dies sogar erstaunlich gut. Aus den ländlichen Regionen Deutschlands kannte ich es bisher nämlich immer nur so, dass man auch mal ein paar Stunden auf einen Bus warten musste. Das war im Berchtesgadener Land nicht ganz so schlimm.

Nach 10 Stunden Fahrt angekommen mit dem Flixbus aus Frankfurt, direkt am Königsee mit viel Gepäck – Kamerarucksack, Stativ und noch eine weitere Tasche, machte ich mich zu aller erst auf den Weg zum Hotel. Dieses war in 15 Gehminuten gut zu erreichen.

Das Wetter war, naja, leichter Regen, dunkle Wolken am Himmel, recht kühl. Dennoch machte ich mich, nachdem ich im Hotel eingecheckt habe, direkt wieder auf den Weg zum Königssee um dort zu fotografieren. Ich setzte mich auf einen Steg am Wasser, stellte die Kamera auf und genoss den Ausblick auf die Berge. Um noch mehr vom Königssee sehen zu können, kann man eine Schifffahrt bis zur St Bartholomä oder nach Salet machen, von wo man zum Obersee gehen kann. Das habe ich mir für die nächsten Tage fest vorgenommen. 5 Minuten waren vergangen, da schüttete es auf einmal wie aus Eimern. Ich machte mir nichts draus, stellte mich kurz unter und fotografierte weiter. Es war beeindruckend, wie sich der Himmel innerhalb von Minuten veränderte. Und es kam sogar ein Foto dabei heraus, mit dem ich mich zufrieden stellen konnte. Das dauert bei mir sonst normalerweise immer etwas länger.

Danach ging ich gemütlich bei starkem Regen zurück ins Hotel, schaute mir die Fotos sofort an und bearbeitete ein paar.

Am nächsten Morgen machte ich mich nach einem ausreichenden Frühstück auf den Weg zur Bushaltestelle, um von dort nach Berchtesgaden und im Anschluss nach Ramsau zum Hintersee und den anliegenden Zauberwald zu fahren. Schon auf dem Weg zur Bushaltestelle erreichte mich ein gewaltiger Schneesturm. Unfassbar, dachte ich. Natürlich war ich auf sowas nicht vorbereitet, die Wettervorhersage zeigte zwar Regen und kühle Temperaturen an, dennoch war ich mit Chucks unterwegs, was natürlich nicht sehr sinnvoll war. Mich sammelte eine nette Busfahrerin ein, die mir erzählte, dass es einige Tage zuvor noch ganze 25 Grad waren. Sie sagte schockiert, dass sie sogar schon Blumen in ihrem Garten gepflanzt hat. Pünktlich zum Sommeranfang. Naja. Dachte sie.

Angekommen am Berchtesgadener Bahnhof, musste ich noch ein wenig auf den nächsten Bus, der direkt zum Hintersee fuhr, warten. Ich freute mich wie ein kleines Mädchen, es war mir relativ egal wie sehr es geschneit hat, wie kalt und neblig es war, ich wollte einfach nur fotografieren – nur deswegen war ich hier und nicht um vom Hotelzimmer aus Schäfchen zu zählen, nur weil das Wetter mal nicht mitspielt. Die Gegend beeindruckte mich so sehr, dass ich alles um mich herum vergessen und einfach mal zur Ruhe kommen konnte, so wie ich es mir vorgenommen hatte. Zur Ruhe kommen heißt dann bei mir den ganzen Tag bei gefühlten -20 Grad und Schneestürmen unterwegs zu sein, nur für DAS Foto.

Meiner Meinung nach eignet sich das Fotografieren in Bayern bei einem solchen Wetter aber besonders gut. Berge und Sonne, überstrahlter Himmel passen nicht so gut zusammen, finde ich. Wolken, Nebel und ein wenig Schnee, das alles am besten noch in Kombination mit einem See sind genau die Kriterien, die ein FÜR MICH ausdrucksstarkes Landschaftsfoto in Bayern ausmachen. Da mögen die Geschmäcker aber ganz verschieden sein.

Mit dem nächsten Bus fuhr ich etwa 20 Minuten bis zur Endhaltestelle Hintersee, vorbei an der berühmten Ramsauer Kirche, der Wimmbachklammbrücke und dem sogenannten Zauberwald, der den gesamten Hintersee umfasst. Kaum bin ich aus dem Bus gestiegen, der nächste Schneesturm. Normalerweise bekomme ich schnell sehr, sehr schlechte Laune in einem solchen Moment aber interessiert hat es mich erstaunlich wenig. Der See hat mich einfach fasziniert und ich war froh, endlich mal dort zu sein. Weit und breit kein einziger Mensch, ist ja klar, bei dem Wetter. Ich ging ein paar Schritte, um zu den, für den Hintersee bekannten Felsen im Wasser zu gelangen, auf denen Bäume gewachsen sind. Ein tolles Motiv. Entlang am See, links von mir der Zauberwald, rechts von mir das Wasser, die Bäume auf den Bergen färbten sich immer mehr weiß und es sah aus wie gemalt. Innerhalb weniger Minuten hörte es auf zu schneien und es kam sogar ein wenig die Sonne heraus und Wolken waren zu sehen. Ich spürte, das ist genau der richtige Zeitpunkt, mich gemütlich ans Wasser zu setzen und die Ruhe zu genießen. Ich ging hinunter zum Wasser, was gar nicht so einfach war, dank vieler Wurzeln, die man schnell übersah, setzte mich dorthin, Handy ausgeschaltet, Kamera ausgeschaltet, Kopf ausgeschaltet – ein so einzigartiger Moment.

Als die Sonne wieder verschwand, fing ich an zu fotografieren. Es zog wieder ein wenig Nebel auf, der eine schöne, kühle Stimmung hinterließ.

Als es wieder anfing zu schneien, setzte ich mich, weil ich ohnehin schon durchgefroren war, in ein naheliegendes Café, um mich aufzuwärmen.

Danach suchte ich mir noch ein paar schöne Motive, lange habe ich es wegen der Kälte und dem Schnee allerdings nicht mehr durchgehalten, weshalb ich nach insgesamt 4 Stunden den Bus zurück nach Berchtesgaden nahm. Ich wäre gerne noch an der St Sebastian Kirche in Ramsau ausgestiegen, um das bekannte Motiv auf meine fotografische Art und Weise einzufangen. Leider passte dies zeitlich nicht mehr so gut, da am Abend nicht mehr so viele Busse in Richtung Berchtesgaden und dann von dort nach Schönau am Königssee fahren. Und um ehrlich zu sein hatten mir die vielen, besonderen Eindrücke für den Tag gereicht, weshalb ich mir vornahm, am nächsten und gleichzeitig letzten Tag, wenn noch Zeit bleibt, nochmal in Richtung Ramsau zu fahren um die Kirche an der Ramsauer Ache zu fotografieren.

 

Was ich natürlich nicht wusste, dass am nächsten Morgen wirklich alles zugeschneit war.

Nachdem ich im Hotel ausgecheckt habe, fuhr ich mit dem Bus nach Berchtesgaden, um dort mein Gepäck in Schließfächern aufzubewahren, bis am späten Abend mein Zug von dort in Richtung München ging und anschließend der Nachtbus nach Frankfurt. Denn ich hatte beschlossen, meinen letzten Tag noch in Schönau, statt wie vor der Reise geplant, in München zu verbringen. Vor allem aus dem Grund, weil ich die Schifffahrt über den Königssee unbedingt noch mitnehmen wollte und mich die ganze Gegend irgendwie glücklich machte.

Ich fuhr vom Bahnhof zum Königssee und ging zum Ticketstand, geplant hatte ich eine Fahrt bis Salet, um von dort den Obersee zu Fuß erreichen zu können. Leider sagte mir eine Dame vor Ort, dass momentan nur Fahrten bis St Bartholomä angeboten werden und eine Fahrt bis Salet erst ab Anfang Mai wieder möglich ist. Das ärgerte mich gewaltig, denn auf den Obersee hatte ich mich besonders gefreut. Nun entschied ich mich, wenigstens nach St Bartholomä über den Königssee zu fahren, was auch sehr sehenswert sein soll – ganz nach dem Motto ''na wenn man schonmal hier ist''.

Während ich noch ein wenig auf die nächste Schifffahrt warten musste, ging ich ein wenig durch den sogenannten Malerwinkel, ein Rundwanderweg bzw. bekannter Aussichtspunkt am Königssee. Die gesamte Wanderung dauert etwa 1,5 Stunden, dies habe ich leider nicht mehr geschafft und bin nach einiger Zeit zurück, um mit dem nächsten Schiff nach St Bartholomä zu fahren.

 Die Fahrt über den Königssee dauerte etwa 35 Minuten. Per Mikrofon bekamen die Touristen viele Informationen über den See, z.B. dass das Wasser sogar Trinkqualität hat und er hinsichtlich dieser als einer der saubersten Seen Deutschlands gilt.

Auf etwa halber Fahrtstrecke wurde den Touristen mit einer Trompete vom Bootsführer das Echo an der Echowand an den Bergen demonstriert, welcher einmal oder selten auch zweifach zu hören ist. Früher wurde vom Schiff aus mit einem Böller geschossen und ein bis zu siebenfaches Echo erzeugt. Das wird heute nicht mehr gemacht, da das Mitführen von Schwarzpulver nun aus Sicherheitsgründen verboten ist. 

Normalerweise höre ich mir solche Vorträge nur selten an, aber dieser war wirklich interessant und man konnte einiges über die Geschichte des Königssees erfahren. 

Kurz vor der Ankunft in St Bartholomä fing es wieder gewaltig an zu stürmen und schneien und es wurde gefühlt immer kälter. Ich ging sofort zum Wasser, von wo ich einen traumhaften Blick auf die Berge hatte. Nach und nach hörte es dann doch wieder auf zu schneien, sodass ich mich relativ gemütlich an das Ufer setzen konnte, um zu fotografieren. 
Es war traumhaft ruhig, kaum ein Mensch in Sicht, einfach Natur pur. 

Schon nach etwa 15 Minuten war ich komplett eingefroren, was mir aber erstmal egal war. Für mich gab es in dem Moment echt wichtigeres - die Freiheit und vor allem das Fotografieren. 

Insgesamt eine Stunde war vergangen, bis ich dank der Kälte wirklich gar nichts mehr spürte. Der Himmel zog sich wieder zu und kurze Zeit später machte sich der nächste Schneesturm breit, weshalb ich beschloss, sobald das nächste für mich zufrieden stellende Foto gemacht ist, das nächste Boot zurück zu nehmen. 

Anschließend setzte ich mich in der Nähe des Königssees in ein Café und überarbeitete schonmal einige Fotos. 

Schon bald darauf nahm ich den Bus in Richtung Berchtesgadener Bahnhof und nahm den Rückweg auf mich.

 

Nun, im Zug nach München, sitze ich hier und habe innerhalb weniger Stunden den Bericht wie aus der Seele herunter geschrieben. Dass Deutschland ein paar ganz nette Ecken hat, wusste ich ja vorher schon, aber das Berchtesgadener Land hat wirklich alles übertroffen, meiner Meinung nach. Ich war zum ersten Mal dort und bin froh, die Tour trotz des Wetters und der Entfernung auf mich genommen zu haben.

Ich denke, wer die Natur liebt, gerne wandert und fotografiert, der wird sich dort genauso wohl fühlen wie ich es getan habe.. ich war auf jeden Fall nicht zum letzten Mal dort - meine nächste Tour für den Sommer ist schon geplant. 

Vielen Dank fürs Lesen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0